Perspektive

In wenigen Tagen zur passgenauen App: was ich mit OGIL ToDo gelernt habe

Eine Checklisten-App ohne Login, Ende-zu-Ende verschlüsselt und unter eigener Domain live: ein Testprojekt zu KI-gestützter App-Entwicklung und was es für Transport und Logistik bedeutet.

Oliver Gaede · 28.09.2026 · 4 Min. Lesezeit

Illustration eines Smartphones mit abgehakter Checkliste auf dunkelblauem Hintergrund, daneben stilisierte Symbole für Lastwagen und Paletten

Kleine ToDos fallen im Alltag ständig an: Einkaufslisten, Packlisten, offene Punkte nach einer Besprechung. Die gängigen Apps dafür verlangen ein Konto, oft ein Abo, und die Daten liegen beim Anbieter. Am Markt habe ich keine Apps gefunden, die einfach zu bedienen sind und einen hohen Anspruch an Datenschutz erfüllen.

Daher habe ich als Test- und Lehrstück mit meinem bewährten KI-Toolset eine eigene Anwendung gebaut. Erstellen von Notizen und Listen, gemeinsam bearbeiten und erledigen, auch offline (inklusive maximalem Datenschutz). So kann ich die heutigen Möglichkeiten der KI-gestützten App-Entwicklung nicht nur beobachten, sondern am eigenen Beispiel erleben.

Das Resultat heisst OGIL ToDo und läuft unter todo.ogil.ch.

Speed to market

Vom ersten Konzept bis zur produktiven App unter eigener Domain vergingen 3 Tage. Gebaut habe ich schrittweise. Begonnen beim generellen Konzept und Design, später das Nachschärfen einzelner Funktionen. In Zusammenarbeit mit den KI-Tools war jede Iteration vom Prüfen der Ansätze über das Konzept zur Umsetzung, Testing und Nachschärfen innert Minuten sichtbar und nutzbar.

Überraschend war, wo die Zeit tatsächlich hinging. Nicht in die Umsetzung, sondern in die Entscheide. Was braucht es wirklich, und was bewusst nicht? Keine Fälligkeitsdaten, keine Erinnerungen, nur Deutsch, ein Punkt ist eine Zeile. Jede dieser Beschränkungen hat die App besser gemacht, weil sie genau das tut, was ich brauche, und nichts darüber hinaus.

Aufwand für die Entwicklung

Der Gesamtaufwand lag bei rund 10 Stunden, die laufenden Kosten beschränken sich auf rund 40 CHF monatlich, die ich sowieso zahle. Den grössten Teil davon habe ich mit dem Konzept, dem Testen und den Randfällen verbracht: Was passiert, wenn jemand einen erledigten Punkt endgültig löschen will? Wie macht man einen Fehlklick rückgängig? Wer sieht, dass gerade eine andere Person in derselben Liste arbeitet? Selbst Code geschrieben habe ich keinen.

Toolset

Das Setup ist schlank. Claude diente als Sparringpartner für das Konzept, das ich als Dokument festgehalten habe, und für präzise formulierte Aufträge an Lovable. Lovable hat daraus Oberfläche und Backend erstellt, inklusive Datenbank und Echtzeit-Synchronisation. Als Progressive Web App funktioniert OGIL ToDo auch ohne Verbindung und lässt sich wie eine native App auf dem Handy installieren. Einen eigenen Server, ein Deployment-Handwerk oder einen App-Store-Prozess brauchte es nicht.

Datenschutz

Hier steckte die meiste Denkarbeit, und hier lag auch der wichtigste Lerneffekt. Weil es kein Login gibt, gibt es auch keine Konten und keine E-Mail-Adressen, die gespeichert werden müssten. Alle Notizen sind Ende-zu-Ende verschlüsselt: Der Schlüssel steckt im Link, der Server sieht nur verschlüsselte Inhalte. Wer mehr Schutz will, setzt pro Notiz zusätzlich ein Passwort. Die Kehrseite ist bewusst in Kauf genommen: Wer den Link hat, hat Zugriff, und ohne Link lässt sich der Inhalt nicht wiederherstellen. Den Quellcode kann man zur Einsicht direkt aus der App herunterladen.

Die KI hat diese Architektur sauber umgesetzt. Den Entscheid dafür musste ich aber selbst treffen. Bei jeder Anwendung, die mit Firmen- oder Kundendaten arbeitet, gilt das umso mehr: Hosting-Standort, Zugriffsrechte und Nachvollziehbarkeit gehören an den Anfang, nicht ans Ende.

Was das für Transport und Logistik bedeutet

Die Logistik ist voller Nischenprozesse, für die Standardsoftware zu gross, zu teuer oder schlicht unpassend ist. Das Ergebnis kennt jede Disposition: Excel-Listen, Papierformulare, Fotos im Gruppenchat. Denkbar sind etwa eine digitale Abfahrtskontrolle für Fahrzeuge, ein Übergabeprotokoll an der Rampe, eine Inventurliste für ein Aussenlager oder eine Schadensmeldung mit Foto und Standort.

Solche Anwendungen lassen sich heute in wenigen Tagen bauen, und zwar genau so, wie der Prozess tatsächlich läuft. Die Voraussetzung ist nicht mehr Programmiererfahrung, sondern Domainwissen und Kreativität: zu wissen, was an der Rampe, im Lager oder im Fahrzeug wirklich gebraucht wird, und daraus eine klare Beschreibung zu machen. Der Engpass hat sich von der Umsetzung zum Entscheid verschoben.

Wo die Grenzen liegen

Ein funktionierender Prototyp ist noch kein Betrieb. Sobald eine Anwendung an ein ERP, TMS oder WMS angebunden werden soll, mehrere Rollen und Berechtigungen braucht oder über Jahre gewartet werden muss, kommen Fragen dazu, die kein Werkzeug von selbst beantwortet: Wem gehören die Daten? Wer ist verantwortlich, wenn etwas ausfällt? Wie wird sichergestellt, dass die Lösung sicher bleibt? Und nicht zuletzt: Gibt es bereits eine Standardlösung, die den Bedarf abdeckt? Genau dafür gibt es den Marktspiegel Logistik.

Fazit

OGIL ToDo ist ein kleines Werkzeug, aber ein grosser Beleg dafür, wie sich die Softwareentwicklung verändert hat. Wer seinen Prozess kennt, kann heute in wenigen Tagen eine Anwendung erstellen, die exakt dem Bedarf der Nutzenden entspricht. Die eigentliche Arbeit liegt darin, die richtigen Fragen zu stellen und die richtigen Entscheide zu treffen, und genau dort lohnt es sich, Erfahrung einzubringen.

Oliver Gaede, Gründer von OGIL

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