Am 23. September 2026 hat swisscleantech die Arbeitsgruppe Grüne Logistik zu Google nach Zürich eingeladen. Die Leitfrage des Nachmittags: Wie funktioniert urbane Logistik, wenn der Platz knapp ist und die Anforderungen vom kleinen Paket bis zum sperrigen Baumaterial reichen? Als Mitglied war ich dabei und habe vier anregende Inputs aus Stadtverwaltung, Technologie und Praxis sowie einen intensiven Workshop erlebt. Hier meine wichtigsten Eindrücke.
Stadt Zürich: Fläche ist die knappste Ressource
Birgit Helwig Zeltner, Projektleiterin Mobilität und Verkehr der Stadt Zürich, stellte den Umgang der Stadt mit ihrer wertvollsten Ressource vor: der Fläche. Im Vergleich der Verkehrsmittel beansprucht das Auto am meisten Platz. Entsprechend setzt Zürich auf eine Reduktion des privaten Individualverkehrs und schafft damit Spielraum, auch für den Wirtschaftsverkehr. Informationen zum städtischen Güterverkehr bündelt die Stadt auf einer eigenen Website.
Hub-Lösungen will die Stadt nicht selbst betreiben, sie sieht diese eher in der Verantwortung der Privatwirtschaft. Das ist nachvollziehbar, denn der Betrieb von Umschlagpunkten gehört in die Hände von Logistikerinnen und Logistikern. Gleichzeitig hat der Nachmittag deutlich gezeigt, wie entscheidend die Stadt als Planerin und Ermöglicherin ist. Darauf komme ich am Schluss zurück.
Google: Daten als Planungsgrundlage
Dennis Tietz von Google zeigte, wie Städte Geodaten nutzen, um ihre Herausforderungen bei Flächen, Mobilität und Verkehr anzugehen. Die Beispiele reichten von der Optimierung von Ampelschaltungen über die Planung von Verkehrsströmen auf Basis tatsächlicher Bewegungen bis zur Identifikation von Hitzeinseln und Potenzialen für Solaranlagen mit Google Earth. Besonders anschaulich: Bei der Planung von Ladestationen für Elektrofahrzeuge lässt sich die Nachfrage aus Suchanfragen der verfügbaren Ladeinfrastruktur gegenüberstellen. So werden Lücken im Netz sichtbar. Private wiederum unterstützt Google Maps bei nachhaltigeren Mobilitätsentscheiden, und für Logistikunternehmen steht in Google Cloud eine Schnittstelle zur Routenoptimierung bereit.
Mein Fazit: Die Datengrundlage für eine bessere Planung ist vorhanden. Der Hebel liegt darin, sie konsequent in Planungsprozesse einzubinden und zwischen den Beteiligten nutzbar zu machen.
Veloblitz: Schnell und verlässlich auf zwei Rädern
Tobias Schär von der Genossenschaft Veloblitz brachte die Stärken der Velologistik auf den Punkt: unabhängig vom Stau, mit tiefen Investitionen, verlässlichem Personal und hoher Geschwindigkeit. In der Partnerschaft mit GO Logistik übernimmt Veloblitz die Feinverteilung per Velo. Seine Vision: Hubs, von denen aus die letzte Meile auf dem Velo erfolgt, und deutlich mehr Kooperation zwischen den Akteuren.
Das Beispiel zeigt: Velologistik entfaltet ihr Potenzial dort, wo sie auf Umschlagflächen und starke Partnerschaften aufsetzen kann.
Welti-Furrer: Sperrige Güter auf engem Raum
Markus Maushart, Group CEO von Welti-Furrer, lenkte den Blick auf ein oft unterschätztes Feld: Gemäss seinem Referat macht die Baulogistik rund einen Drittel des Schwerverkehrs aus. Welti-Furrer übernimmt deshalb die logistische Planung von Baustellen. An- und Ablieferungen erfolgen in Zeitfenstern, die mit dem Bauprogramm abgestimmt sind. Ein Baustellen-Hub dient als zentrales Lager, von dem aus gebündelte Shuttles auf definierten Routen und zu festen Zeiten fahren. Dort kann auch vormontiert werden. Die Entsorgung wird ebenfalls zentral organisiert. In der Disposition setzt Welti-Furrer neu auf KI-Unterstützung mit Gemini.
Hier wird greifbar, welche Wirkung Bündelung und vorausschauende Planung entfalten, wenn sie konsequent umgesetzt werden.
Workshop: Was erfolgreiche City-Logistik braucht
Im abschliessenden Workshop haben wir die Inputs zusammengeführt und die kritischen Erfolgsfaktoren herausgearbeitet:
- Zentrale Planung der Waren- und Verkehrsströme: Wer die Ströme kennt und koordiniert, kann bündeln, statt Fahrten nur zu verwalten.
- Bau und Stückgut unterscheiden: Baulogistik und Paketverteilung folgen unterschiedlichen Logiken und brauchen je eigene Lösungen.
- Platzverfügbarkeit: Ohne Flächen für Umschlag, Lagerung und Zufahrt bleibt jedes Konzept auf dem Papier.
- Passende Fahrzeugwahl: Vom Lastenvelo bis zum Elektro-Lkw, entscheidend ist das richtige Fahrzeug für Gut, Strecke und Ort.
- Klare Vorgaben und Strategie: Verlässliche Rahmenbedingungen schaffen Investitions- und Planungssicherheit.
- Zusammenarbeit: Kooperation zwischen Transporteuren, Verladern, Bauwirtschaft und Verwaltung ist Voraussetzung, nicht Zusatz.
- Planungstools: Gute Werkzeuge machen Ströme sichtbar und Entscheide nachvollziehbar.
- Standards und Interoperabilität: Damit Daten zwischen Systemen und Partnern fliessen, braucht es gemeinsame Schnittstellen und Formate.
Meine Perspektive: Die Stadt als Taktgeberin
City-Logistik lässt sich nicht von einem einzelnen Akteur lösen. Den Betrieb von Hubs, Shuttles und Velokurieren übernimmt zu Recht die Privatwirtschaft. Doch nur die Stadt hat den Überblick über Flächen, Verkehrsströme und Bauvorhaben, und nur sie kann den Rahmen setzen, in dem private Lösungen entstehen und wirtschaftlich funktionieren.
Konkret heisst das für mich: Städte sichern Flächen für Logistik in ihrer Raumplanung, regeln Zufahrten und Zeitfenster, stellen Daten bereit, bringen die Beteiligten an einen Tisch und formulieren langfristige Leitlinien, auf die sich Investitionen stützen können. So wird die Stadt zum zentralen Steuerungs- und Planungselement, ohne selbst Logistikerin werden zu müssen.
Die Bausteine dafür liegen bereit: Daten, erprobte Praxismodelle wie Velo-Feinverteilung und Baustellen-Hubs sowie eine Branche, die zur Zusammenarbeit bereit ist. Was es jetzt braucht, ist die Verbindung dieser Bausteine, und dabei spielen Standards und durchgängige Informationsflüsse eine ebenso grosse Rolle wie Fahrzeuge und Flächen. Genau an dieser Schnittstelle von Logistik und Digitalisierung sehe ich viel Potenzial.
Herzlichen Dank an swisscleantech für die Organisation, an Google für die Gastfreundschaft und an alle Referierenden und Teilnehmenden für die offenen Diskussionen.

